Donnerstag, 11. Januar 2018

Erlebnisbericht SGN Langläufer

Ein Erlebnisbericht einer besonderen sportlichen Veranstaltung für SGN Skilangläufer

Das Jahr 2018 begann für die beiden Sportler Julia Metzler und Tobias Horelt sowie deren Langlauftrainer Michael Höß mit einem ganz besonderen Paukenschlag. Mitte Dezember hatten die drei die Nachricht erhalten, in Seoul/Südkorea an einem FIS Wettkampf im Skisprint teilnehmen zu können. Bereits im vergangenen Jahr hatte der koreanische Skiverband eine deutsche Delegation (Amelie Hofmann-WSV Isny, Benjamin Sonntag – SC Vogt und Stützpunktrainer Herbert Bühler) eingeladen und in der Stadt den 1. Koreanischen FIS Skisprint durchgeführt. Aufgrund besonders freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem in Korea tätigen deutschen Sportfunktionär Ralf Görtz, der in Korea seit ca. 25 Jahren den Skiverband in den verschiedensten Fragen unterstützt und dem WSV Isny gelangte die erneute Einladung über den DSV und den Skiverband Baden-Württemberg wieder in die hiesige Region. Da die beiden derzeit besten Skilangläufer Amelie Hofmann und Friedrich Moch, beide vom WSV Isny, Startverpflichtungen für die Qualifikation zur JWM hatten, welche zumindest Friedrich Moch sicher geschafft hat, fiel die Auswahl auf die nächst folgenden starken Läufer und die waren eben Julia Metzler und Tobias Horelt. Was lag näher dann auch den seit gut 40 Jahren recht erfolgreich tätigen Trainer Michael Höß als Betreuer mitzuschicken. Kurzerhand konnten noch einige Passregularien recht unbürokratisch erledigt werden und so stand dem Abenteuer vom 02.-07. Januar nichts mehr im Wege. Die komplette Organisation der An- und Abreise wurde direkt von Süd-Korea aus gemanagt. Das Sportsystem in Südkorea ist nicht mit dem in der BRD vergleichbar. Es gibt dort keine Vereine als Keimzellen, sondern der Verband bedient sich professioneller Organisationen/ Firmen, die eine solche Veranstaltung organisieren. Hintergrund dieser FIS Veranstaltung ist die Möglichkeit, dass koreanische Sportler sich FIS Punkte erlaufen können, die wiederum Einsätze bei internationalen Wettkämpfen ermöglichen. Die Nachwuchsgewinnung erfolgt über die Schulen.

Am 02. Januar Nachmittag ging es zunächst mit dem Bus nach Ulm. Aufgrund des großen Verkehrsaufkommens mit endlos vielen Staus wurde gerade noch der ICE nach Frankfurt zum Flughafen erreicht. Einchecken und in der Folge der 10-stündige Flug über 9000km verlief ruhig und problemlos. Am Internationalen Airport Incheon wurde nach einem kurzen zusätzlichen Check des großen Skisackes die deutsche Delegation von Kim June erwartet. June begleitete das German Team in der Folge vier Tage lang, was den eh schon spannenden Aufenthalt noch interessanter machte. Bei der 60km langen Fahrt mit dem Taxi wurde ein erster Eindruck der 24 Millionenstadt Seoul deutlich. Hochhaus an Hochhaus, riesige Stromerzeugungsbetriebe und 3, 4 oder 6 spurige Straßen mit nicht enden wollendem Verkehr. Fast ausschließlich neue Fahrzeuge und die alle nicht zu klein. Schon bei der Fahrt zum Hotel tauchte plötzlich zwischen Straße und einem großen Fluss (Ganghang) ein weißes Band mit einer Loipe auf. In dem ansonsten als Park angelegten Gelände war eine 1,3km lange Kunstschneeloipe in einem Topzustand präpariert worden. Im Winter ist es zwar sehr kalt in Seoul, aber alles ohne Niederschlag. Neben den Wettkämpfen am 05.01. bei einem Showevent über 100m und dem eigentlichen FIS Rennen konnten die Sportler noch an zwei weiteren Tagen wertvolle Trainingseinheiten absolvieren. Um dem Jetlag vorzubeugen wurde erstmals etwas ausgeruht ehe June die Gäste ins pulsierende Stadtleben führte. Sämtliche Eindrücke sind eigentlich nicht in Worte zu fassen.

Am nächsten Morgen stand noch vor dem Training ein Besuch des derzeit fünft höchsten Gebäudes der Welt an. Dem Lotte Turm. Mit dem modernsten und schnellsten Aufzug auf dem Planeten Erde ging es von 0 auf eine Plattform in 500m Höhe in 60 Sekunden, verbunden mit einer grandiosen Aussicht, die dem Betrachter ein Bild der Weltstadt Seoul vermittelte. Von dem Turm aus war natürlich auch das klitzekleine weiße Band sichtbar, ebenso wie die Sportstätten aus dem Olympiajahr 1988. Beim anschließenden Training konnten die ersten Kontakte mit den Athleten der anderen acht Nationen geknüpft werden. Mit den Norwegern und Australiern teilten sich die German People den Waxcontainer. Darüber hinaus waren Lettland, Russland, Mogolei, Chinese Tapei, Indien und die heimische Mannschaft aus Südkorea Teilnehmer des FIS Wettkampfs. Das zweistündige Training sorgte für entsprechenden Hunger und was folgte war ein unvergessenes koreanisches Abendessen, das bei dem intensiven Grillen der Knoblauchzehen noch tagelang Nachwirkungen zeigte. Der Freitagmorgen diente der Regeneration zumal ja mittags neben dem Training der Supersprint über 100m stattfand. Mit Ludwig Jensen aus Norwegen stand hierbei der derzeit schnellste Sprinter auf Langlaufskiern am Start. In Norwegen ist dies mittlerweile eine eigene Sportart auf Skilanglaufskiern und bei Interesse kann man über youtube einiges nachschauen.

Tobias Horelt der als 16-jähriger ja zu den jüngsten der Teilnehmer zählte wurde in seinem Lauf Dritter und schied somit fürs Finale aus. Mit Jensen als Sieger war der Verlauf dieser Showeinlage wie vorhergesehen. Nach diesem Training hieß es sich Feinzumachen für das Festbankett beim Empfang der Nationen in dem Fünf-Sterne plus Hotel Lotte. Zahlreiche Funktionärsreden und zwei koreanische Schauauftritten gingen einem Fünf-Gänge Menü voraus. Beim Festbankett war es den Offiziellen wichtig mit den Gastnationen ins Gespräch zu kommen, was Dank June für das deutsche Team dann auch ein Leichtes war. Mit drei großen Mannschaftsbussen ging es zurück zum Hotel und morgens um 9.00 Uhr zur Wettkampfstrecke. Die Organisatoren hatten mit zwei großen Käsbohrer Schneeraupen die Sprintrunde optimal hergerichtet. Das offensichtlich richtige Speedwax tat sein Übriges, dass beide SGN Sportler mit gutem Material den Wettkampf in Angriff nehmen konnten. Julia Metzler hatte die Startnummer 1 zugelost bekommen und eröffnete den Prolog. Augenscheinlich war sie in wirklich sehr guter Verfassung. Sie gewann den Prolog überlegen in dem 21-Frau starken Teilnehmerfeld. So erfolgreich verliefen dann auch Viertel- und Halbfinale, wo jeweils vier Sportlerinnen gegeneinander antraten. Jeweils bereits am Start setzte sich Julia an die Spitze und kontrollierte das Feld. Im Finale hatten sich zwei Mongolinnen (die nach dem Wettkampf nach Pyeongchang weiterreisten) ganz offensichtlich eine aggressive Renntaktik zurecht gelegt, aber auch hier gelang es Julia nach ca. 50m Doppelstockspur als erste in die Skatingspur zu kommen und sie lief auch hier einem ungefährdeten Sieg unter dem Beifall der ca. 250 Zuschauer entgegen. Skilanglauf ist in Südkorea eine absolute Randsportart und der Großteil der Bevölkerung kennt sie auch gar nicht. Darum hat der koreanische Sportverband ganz offensichtlich keine Kosten und Mühen gescheut dieses Image aufzubessern. Was die Sportler hier erleben durften wäre bei uns undenkbar.

Tobias Horelt erlief sich bei 41 Männern im Prolog den 10. Platz. In seinem Viertelfinale setzte er alles auf eine Karte und schaffte eigentlich eher unerwartet als Zweiter seines Laufes den Sprung ins Halbfinale. Dort konnte er im 6er Feld den 5. Platz erreichen, was ihm am Ende den 10. Gesamtrang einbrachte. In beiden Läufen hatte er es u. a. mit keinem geringeren als Nikolay Morilov aus Russland zu tun, der im Sprint schon Olympiamedaillen und auch drei Weltcupsiege errungen hatte. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Power und Technik dieser Sportler dann auch überlegen das Finale für sich entschied.

Bei der anschließenden Flower Zeromonie stand Julia Metzler im Brennpunkt von Fotografen und einer koreanischer Fernsehanstalt, die mit drei großen Übertragungswagen, mindestens 10 mobilen und 4 stationären Filmkameras und einer dauerhaft eingesetzten Drohne den FIS Wettkampf begleiteten. Bleibt zu hoffen, dass gerade solche Momente die Motivation der beiden jungen Sportler weiter bringt. Am letzten Abend hatte sich der Veranstalter noch eine Sightseeing Tour durch Seoul für die Sportler ausgesucht, eher ein langer aber auch sehr erfolgreicher Tag zu Ende ging. Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen. Nochmals mit dem Taxi 60km lang durch die Stadt zum Flughafen, Einchecken, mit einem ruhigen 10-Stunden Flug Richtung Westen und dabei ca. 5h lang den Sonnenuntergang genießen. Dann wieder nach 22 Stunden mit dem ICE nach Ulm und von dort mit dem Vereinsbus zurück ins beschauliche Wangen. Für beide Sportler hieß es am nächsten Morgen gleich in die Schule bzw. zurück ans Skiinternat zu gehen und für den Betreuer einen starken grippalen Infekt auszukurieren.  


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